Bogentypen

Obwohl es Pfeil und Bogen schon sehr lange gibt, hat auch hier der technische "Fortschritt" seine Spuren hinterlassen. So würde ein Ötzi einen heutigen Compoundbogen wohl kaum als das erkennen, was es ist. Nur die heutigen Recurvebogen gehen vermutlich auf die Kompositbögen der alten Reitervölker zurück. Nachfolgend möchte ich die verschiedenen Bogentypen kurz vorstellen.


Langbogen

Der Langbogen ist der Urtyp des Bogens und schon viele tausend Jahre alt. Nun ist Langbogen aber nicht gleich Langbogen! Der klassische Typ, den wir eigentlich immer meinen, wenn wir vom Langbogen sprechen, wurde von den Walisern im Mittelalter "erfunden" (englischer Langbogen). Aber Funde aus der Steinzeit belegen, dass es damals auch schon mannshohe Bögen gab. Die Bezeichnung "Langbogen" ist auch etwas irreführend, da sie nicht unbedingt länger als andere Holz-bogen sind. Charakteristische Merkmale des (mittelalterlichen) Langbogens sind die stangenartige Form, das nicht abgesetzte Griffteil und der typische D-förmige Querschnitt, genau umgekehrt zu den prähistorischen Typen. Martin schiesst einen modernen, laminierten Langbogen.

Was sind die Merkmale eines Langbogens?

  • Traditionell besteht der Bogen nur aus Holz und ist nicht mit anderen Materialien verleimt. Meist wird Eibe oder Esche verwendet. Der Rohling wird so aus dem Stamm geschnitten, dass er aus dessen verschiedenen Regionen besteht. Aussen das weiche und zähe Splintholz und innen das harte Kernholz.
  • In ungespanntem Zustand ist der Bogen gerade, wie ein Stab.
  • Am Bogen ist keienrlei Visierung angebracht und er wird meist "instinktiv" geschossen.
  • Die zugehörigen Pfeile sind ebenfalls aus Holz.
  • Die Zughand wird mit einem ledernen Schiesshandschuh geschützt.

Beim Langbogen gibt es unterschiedliche Varianten, den Bogen zu spannen (Bildquelle [22]):

Man unterscheidet zwischen

  1. Primärspannung, Daumen und Zeigefinger halten den Pfeil, die Sehne wird durch den Pfeil gezogen. Diese Variante ist nur für schwache Bögen geeignet. Meist schiessen Anfänger auf diese Weise.
  2. Sekundärspannung, wie bei 1, aber zusätzlich zieht der Mittelfinger an der Sehne.
  3. Tertiärspannung, wie bei 2, aber zusätzlich zieht der Ringfinger an der Sehne.
  4. Mittelmeerspannung, ein Finger über und zwei unter dem Pfeil (der Pfeil wird nicht berührt oder gar geklemmt). dies ist bei uns die gebräuchlichste Bogenspannung.

 


Recurvebogen

Als Recurvebogen, wie Elena ihn hier schiesst, werden alle Typen bezeichnet, deren Enden in ungespanntem Zustand in Schiessrichtung zeigen. Bei den älteren Typen handelt es sich vielfach um zusammengesetzte Bögen in Kompositbauweise, d.h. es werden mehrere Materialien miteinander verarbeitet (Holz, Knochen, Sehnen etc.). Die neueren Typen bestehen meist aus Holz und Fiberglas.

Was sind die Merkmale eines Recurvebogens?

  • Der Recurvebogen ist mehrteilig aufgebaut. Er hat ein Griffstück, meist aus Holz, und auswechsel-bare Wurfarme. Auf diese Weise kann auf einfache Weise die Spannkraft dem jeweiligen Bedürfnis angepasst werden.
  • In ungespanntem Zustand ist der Bogen nach vorn gebogen, in die Schiessrichtung.
  • Am Griffstück kann eine Visierung angebracht werden, während der Ankerpunkt beim Kinn den zweiten Visierpunkt bildet, oft unterstützt durch eine Mundmarke (Kisser).
  • Die Zughand wird mit einem Tab aus Leder geschützt.
  • Die zugehörigen Pfeile sind entweder aus Carbon oder aus Aluminium. Auch eine Mischform ist möglich.
  • Dies ist (noch) der einzige Bogentyp, der an den Olympischen Spielen zugelassen ist.

Üblicherweise wird auch hier die Mittelmeerspannung (siehe oben) beim sportlichen Schiessen angewendet.

 


Compundbogen

Jacqueline demonstriert uns hier die Funktionsweise des Compoundbogens.

Was sind die Merkmale eines Compoundbogens?

  • Der Compoundbogen ist ebenfalls mehrteilig aufgebaut. Er hat ein Griffstück, meist aus Aluminium, und zweigeteilte Wurfarme aus Fiberglas. Auf diese Weise kann der Bogen ständig gespannt bleiben, ohne seine Spannkraft zu verlieren.
  • Am Griffstück kann eine Visierung angebracht werden, während der zweite Visierpunkt durch ein sogenanntes "Peep Sight", welches in die Sehne eingearbeitet ist, gebildet wird. Auf diese Weise entstehen "Kimme und Korn" wie beim Gewehr und es sind hochpräzise Schüsse auf grössere Distanzen möglich.
  • Die Sehne wird mit einem sogenannten "Release" gezogen, einem kleinen mechanischen Auslösegerät.
  • Um die Schlagenergie beim Abschuss zu neutralisieren, ist am Bogen ein Stabilisator angebracht.
  • Die zugehörigen Pfeile sind meist aus Carbon, selten aus Aluminium.
  • Dieser Bogentyp ist (noch) nicht zu den Olympischen Spielen zugelassen.

Beim Compoundbogen wird üblicherweise ein Release für die Bogenspannung und den Schuss verwendet. Nur beim jagdlichen Schiessen werden häufig die Finger benutzt.


Weitere Bogentypen

  • ...ist noch im Aufbau...

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(C) Bogenschützen-Club Spreitenbach - Letzte Änderung: 7.4.2003